Hund Sancho
Hund Sancho
Die Erfahrungen eines Problem-Hundes
nach seiner Übernahme aus dem Tierheim im Oktober 2004
Hund Sancho

Die ersten Tage nach der Übernahme des Hundes

Nach Bereitstellung der Erstausstattung (Korb, Halfter, Leine, Näpfe etc., ca. 125 €) ging es darum, Sancho an das Haus, das Grundstück und an einen neuen Lebensrhythmus zu gewöhnen. Ich habe sofort einen Tages - Zeitplan erstellt, der regelte, wann es Futter gibt, wann die Ausgänge stattfinden und wann Pflegearbeiten stattfinden sollen. Da Sancho diesen Plan gut annahm, waren nur wenige Anpassungen notwendig.

Die Auswahl seines Lieblingsplatzes im Haus habe ich zunächst Sancho überlassen. Er legte sich ausgerechnet in der Diele ab, die nicht sehr groß ist und durch die man ständig durch muß, wenn man sich im Haus bewegt. Dadurch hatte er einerseits mich fast ständig im Blickfeld, aber auch die Haustür, durch die es „in die Freiheit“ ging. Mir aber gefiel dieser Platz nicht gut, da er eigentlich ständig im Weg lag und auch das Einlassen von Besuch erschwerte. Daher habe ich nach ca. einer Woche seinen Korb kurzerhand umgestellt, da mir das als Leittier zustand. Sancho hat diese Umstellung erstaunlich schnell akzeptiert.
Jetzt liegt er im Büro, hat nach wie vor die Haustür "im Griff", sieht mich nun zwar weniger, aber er konnte mich gut hören. So weiß er stets, daß ich noch da bin. Außerdem ist dieser Platz ruhiger, die Gefahr von Zugluft war auch ausgeschaltet. Später habe ich dann unter seinen Korb noch eine Styropor-Platte gelegt, so daß er von unten eine zusätzliche Wärmedämmung hatte. Der Korb selbst war mit gefütterten Plastik-Planen ausgelegt, die vollständig von Decken verdeckt waren. Somit hatte er ein warmes, kuscheliges Plätzchen. Der Korb war groß genug, so daß er ab und zu die Lage innerhalb des Korbes verändern konnte, was er auch tat. Er konnte in dem Korb die Beine vollständig strecken. Das schien mir wichtig, so daß er sich darin wirklich wohlfühlen konnte.

Das von mir angebotene Futter hat Sancho im wesentlichen problemlos akzeptiert. Dabei zeigte sich jedoch, daß er Trockenfutter allein nicht mag. Ich habe dann zu dem Trick gegriffen, Trocken- und Naßfutter zu mischen und hatte damit Erfolg. Es gibt einmal täglich nach dem 75-90minütigen Mittags-Ausgang frisches Futter im Napf, den er meist unverzüglich leerte. Danach habe ich den Napf weggeräumt, gereinigt und in der Küche aufbewahrt. Ihm stand jetzt noch durchgängig frisches Wasser zur Verfügung, daß sich ca. 2m neben seinem Korb befand.

Hund Sancho Hund Sancho Hund Sancho

Ich habe verschiedene Futtersorten ausprobiert, um herauszufinden, welches er mag. Dabei habe ich in einer kleinen Tabelle notiert, welches Futter ich wo gekauft hatte, was es gekostet hat und wie Sancho es annahm. Somit konnte ich nachvollziehen, welches Futter ich zukünftig kaufen mußte, damit Sanchos Versorgung problemlos ablief. Außerdem kam damit auch etwas Abwechslung in seinen Speiseplan. Später habe ich noch gekochtes Gemüse aus der Dose, abwechselnd Reis und gekochte Kartoffeln (kalt) mit eingemischt. Bei Gemüse war er wählerisch, Hülsenfrüchte mochte er nicht so sehr.

Leckerlis, Hundekuchen etc. mochte Sancho nicht. Alles Trockene lehnte er ab. Damit ich aber für zwischendurch etwas für ihn hatte, erinnerte ich mich daran, daß das Tierheim Frikadellen empfohlen hatte. Also habe ich alle 3 Tage aus Hackfleisch halb und halb frische Bouletten gebraten, um sicherzustellen, daß ihm zuviel Salz in gekauften Bouletten nicht schaden konnte. Diese Braterei war aufwendig, aber er fraß mir die Dinger wirklich aus der Hand. Diese Bouletten (jeweils eine halbe, in kleine Stücke geschnitten) gab es immer nach den Ausgängen. Da war er ganz wild drauf. Also hatte ich auch eine Art Leckerli gefunden. Später bot ich ihm auch normale Bockwurst an, die er auch gut mochte.

Sein Stoffwechsel funktionierte von Anfang an gut. Da war ich froh drum. Jeden Tag während des Morgenausganges vollzog er sein „großes Geschäft“ in der Feldmark. War das anfangs noch etwas dünn (sicherlich zurückzuführen auf den anfänglichen Streß), stabilisierte es sich nach 2 Tagen schnell. Auch das Wasserlassen ging nach wenigen Tagen hunde-normal.

Sancho hat am ersten Tag aus Angst und Streß einen Haufen in die Wohnung gesetzt und zweimal auf den Teppichboden im Flur gepinkelt. Da dieses Malheur leicht zu entfernen war, habe ich es kommentarlos beseitigt. Beim zweiten Pinkeln habe ich ihm jedoch mit lauterer Stimme gesagt, daß mir das nicht gefällt. Dabei hat er sich seinen "See" interessiert angesehen und mich auch.

Dieses Malheur passierte noch ein zweites Mal, ca. 2 Wochen nach seinem Einzug. Ich bekam ein kaltes Buffett geliefert, der Bote mit geschulterter kalter Platte löste bei ihm wohl eine schlechte Assoziation aus, auf die er mit Panik reagierte und wieder alles von sich gab. Da ich darauf überhaupt nicht vorbereitet war, war ich hierüber sehr bestürzt. Das ließ nichts Gutes erahnen und ich befürchtete weitere Vorfälle dieser Art.

Seitdem ist jedoch nichts Vergleichbares mehr passiert. Mit zunehmender Stabilisierung seiner Psyche ist damit auch kaum mehr zu rechnen. Sancho ist grundsätzlich stubenrein und kann auch lange durchhalten, wenn es sein muß. Das nutzen wir jedoch nicht aus.

Ausgang

Im Rahmen des Tages-Zeitplans habe ich natürlich auch Zeiten für den Ausgang festgelegt. Insgesamt sind Sancho und ich ca. 2,75 - 3 Std (max.) täglich unterwegs, aufgeteilt auf 4 Ausgänge.

Anfangs war das sehr schwierig. Sancho hatte kein Interesse am Schnüffeln, sondern lief nur geradeaus, um möglichst schnell der jeweiligen Situation zu entkommen. Sein Stoffwechsel war gering, nur das Allernötigste, das jedoch regelmäßig. 18 Tage nach seinem Einzug ist das alles kein Thema mehr. Er schnüffelt wie verrückt, Stuhlgang und Wasserlassen sind weiterhin regelmäßig und zufriedenstellend. Sancho freut sich jedesmal sehr, wenn er an meinen Vorbereitungen merkt, daß es rausgeht. Rausgehen ist seine größte Leidenschaft, davon kann er nicht genug kriegen.

Weiterhin ein wirkliches Problem sind große, laute Hunde. Im Dorf gibt es davon mehrere, die auf großen Grundstücken (oftmals ehemalige Bauernhöfe) mit offener Umfriedung leben und entscheidende Kreuzungen beherrschen, indem sie sich nur dort hinstellen und uns auf sich zukommen lassen. Diese Kreuzungen meiden wir jetzt, da Sancho dort soviel Angst hat, daß ich ihn massiv zwingen müßte. Das will ich nicht. Nur an kleineren „Bedrohungen“ ziehe ich ihn sanft vorbei, indem ich ihn mithilfe der Leine und seinem Brustgeschirr etwas anhebe und vorwärts ziehe bzw. hebe. Nach 2-3 Schritten läuft er dann wieder von selbst. Das liegt wohl z.T. mittlerweile auch daran, daß er zu mir bereits etwas Zutrauen gefaßt hat, so daß er freiwillig mitgeht, wenn er sanften Druck verspürt.

Nach ca. 3 Monaten waren die o.g. Ängste weitgehend abgebaut. Bei unbekannten großen Hunden reagiert er immer noch angstvoll, man muß ihn dann bestimmt und mit kräftiger Hand weiterführen, notfalls etwas ziehen. Das geht meist problemlos und die vermeintliche Gefahr ist schnell vorüber. Großen Hunden, die er kennt, begegnet er meist unbeeindruckt und straft diese mit Mißachtung. Wird er zu sehr „belästigt“ (beschnüffelt), reagiert er mit Knurren und Bellen. Ein Zeichen wachsenden Selbstvertrauens. Er läßt sich nicht mehr alles gefallen. Die anderen Hunde spüren das genau und lassen ihn dann in Ruhe.

Dann gab es zu Anfang noch die „Heimgehsperre“. Details siehe nächste Seite.






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