Hund Sancho
Hund Sancho
Die Erfahrungen eines Problem-Hundes
nach seiner Übernahme aus dem Tierheim im Oktober 2004
Hund Sancho

Endgültiges Fazit zum Ende der ersten 3 Monate

Das wichtigste Fazit lautet:

Ich werde Sancho nicht zurückgeben! Nach nunmehr 100 Tagen ist diese Entscheidung gefallen. Ich denke hierüber ab sofort auch nicht mehr nach. Sancho hat es also geschafft, denn wenn ich es mir alles richtig überlege, besitzt er viele Vorteile.

Die wichtigsten Vorteile sind im Einzelnen:

  • Er hat ein liebes, sanftes, defensives, nicht agressives Wesen
  • Er ist voll sozialisiert gegenüber anderen Hunden
  • Er nervt nicht, läßt mich morgens ausschlafen, ist geduldig und genügsam
  • Er kann ohne Probleme auch zeitlich begrenzt alleine gelassen werden
  • Er ist kein Kläffer (er bellt so gut wie garnicht)
  • Er ist anspruchslos hinsichtlich seiner Ernährung
  • Er ist leicht zu führen, zerrt nicht an der Leine und beherrscht die wichtigsten Kommandos, die aus Sicherheitsgründen während des Ausgangs erforderlich sind
  • Er ist intelligent
  • Er strebt keine Machtkämpfe mit mir an, sondern ordnet sich brav unter.

Es gibt natürlich auch Nachteile, die dem gegenüberstehen:

  • Angst und Mißtrauen
  • Hang zum Weglaufen
  • Inaktivität im Haus
  • Desinteresse an Haus und Garten
  • Desinteresse am Spielen

Diese Nachteile können sich im Laufe der Zeit noch mildern. Da ich heute trotz dieser Nachteile für Sancho und mich aufgrund der bisherigen Erfahrungen und Beobachtungen in allen Negativ-Punkten eine positive Prognose ausstellen kann, werde ich ihn behalten. Denn wichtig ist, daß man gute Ansätze zur Verbesserung erkennen kann. Das dauert eben. Deshalb fallen diese Nachteile nicht allzu sehr ins Gewicht. Nobody is perfect. Es kann durchaus sein, daß ich mit Sancho einen kleinen Schatz gehoben habe! Denn eigentlich ist er genau der Hund, der zu mir paßt.

Fazit allgemein (Nachtrag)

Diesen Punkt habe ich an den Schluß des Erfahrungsberichtes gestellt, obwohl er auch zum allgemeinen Fazit am Anfang dieses Berichtes gehört. Hätte ich ihn jedoch dort eingeordnet, wäre dieser Bericht von den Tierschutz-Profis vielleicht nicht zuende gelesen worden.

Aus der Erkenntnis der insbesondere am Anfang dieses Berichtes geäußerten Problematik heraus möchte ich allen dem Tierschutz verpflichteten Organisationen davon abraten, zukünftig speziell wilde Hunde aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. So schwer es auch fallen mag, diese Tiere ihrem Schicksal in ihrer Heimat zu überlassen, so wenig tut man den Tieren einen Gefallen, wenn man sie zu uns holt und hier eine Domestizierung (Anpassung an hiesige Lebensbedingungen) durchführt.
Ich bin davon überzeugt, daß es besser ist, sie in ihrem bisherigen Leben zu belassen, auch wenn das eine vermutlich erheblich kürzere Lebenszeit bedeutet. Aber solange sie dort leben, unter welchen Umständen auch immer, sind sie glücklich, weil sie nichts anderes kennen. Man tut auch dem neuen Eigner in Deutschland keinen Gefallen. Es ist unendlich schwer, dem Tier eine Bindung an einen Menschen zu vermitteln. Wenn ich gewußt hätte, welche Schwierigkeiten da auf mich zukommen, hätte ich vermutlich keinen oder einen anderen Hund genommen! Ich kann mir vorstellen, daß es viele Eigner gibt, die aufgeben. Die eben nicht die Konsequenz und Kraft besitzen, die Sache durchzuziehen. Auch mir fiel das ja sehr schwer. Und dann landet der Hund über kurz oder lang doch wieder im Tierheim oder sonstwo, schlimmstenfalls wird er getötet. Wollen wir das? MAN KANN NICHT ALLE GESCHUNDENEN TIERE DIESER ERDE RETTEN!

Das Tierheim verlangt bei einer Rückgabe des Hundes 100 € "Strafgebühr". Zunächst erschien mir das auch einleuchtend, ist das doch eine Hemmschwelle für eine leichtfertige Rückgabe des Hundes durch bequeme oder nicht so verantwortungsbewußte Halter.
Dann aber kamen mir Zweifel, ob diese 100 € wirklich zum gewünschten Ergebnis führen. Um diese Ausgabe zu sparen, könnten viele Halter auch auf die abartige Idee kommen, den Hund auf andere Art und Weise wiederloszuwerden. In der heutigen Zeit, wo sich in verschärftem Maße fast alles nur noch um Geld dreht, durchaus denkbar. Das Tierheim sollte daher diesen Punkt noch einmal überdenken. Vielleicht tun es ja 50 € auch oder garkeine Strafgebühr. Der Leidtragende ist dann nicht der Hund, sondern das Finanzbudget des Tierheims. Fände ich jedenfalls das kleinere Übel.

Fortschreibung des Berichtes

Es wird von diesem Bericht 2 Fortsetzungen geben:

  • Erfahrungsbericht II im November 2005
  • Erfahrungsbericht III und vermutliche Schlußfassung (Abschlußbericht) im November 2007

Die Fortsetzungen enthalten jeweils den kompletten Bericht, nur eben in der dann erweiterten Form. Das Tierheim wird alle Ausfertigungen erhalten.

Dies ist das Ende des Erfahrungsberichtes 1. Wenn Sie weiterlesen möchten, wählen Sie aus dem Menu oben z.B. den "Erfahrungsbericht 2" aus.






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