Hund Sancho
Hund Sancho
Die Erfahrungen eines Problem-Hundes
nach seiner Übernahme aus dem Tierheim im Oktober 2004
Hund Sancho

Psychische Probleme 2

Ein zentrales Problem war und ist Sanchos Angst. Die machte uns in den ersten Wochen und Monaten wirklich Probleme.

Sancho hatte vor Allem Angst. In besonderen Situationen reagierte er sogar panikartig, zu Beginn hat er deshalb 2x im Haus alles von sich gegeben (außer Erbrechen). Das hat mich total verunsichert. Er war sehr schreckhaft, alle ihm unbekannten Geräusche versetzten ihn in Angst und Schrecken. Besonders auf große Hunde hat er zu Anfang extrem ängstlich reagiert.

Heute treten diese Ängste nur noch erheblich abgeschwächt auf. Er hat sich jetzt in seine neue Lebenssituation eingewöhnt, ein gewisses Grundvertrauen zu mir aufgebaut und agiert erheblich souveräner als zu Anfang.

Gewisse Ängste haben sich neu entwickelt. So ist er in der Nähe des Hauses besonders vorsichtig und aufmerksam, ob ich ihn nicht doch fangen wollte, um ihn ins Haus zu holen. Das sind wohl die Auswirkungen der ersten Monate, in denen er im Haus war, weil er mußte. Bei fremden Häusern ist er weit weniger ängstlich, ja er kommt sogar mit hinein! Nur bei seinem eigenen Haus ist absolut nichts zu machen. Eine völlig verrückte Situation!

Weglaufen

Meine größte Sorge, nachdem sich abzeichnete, daß Sancho endgültig draußen bleiben würde, war die Angst, daß er nunmehr ständig weglaufen würde. Das hätte ja wohl bedeutet, daß ich ihn immer wieder irgendwo abholen müßte. Irgendwann hätte das wohl auch Geld gekostet.
Diese Lage hätte ich nicht lange durchgehalten. Spätestens nach dem 5. Mal hätte ich daran gedacht, ihn doch wieder abzugeben. Es wäre eine untragbare Situation gewesen.

Zu unserem riesengroßen Glück jedoch blieb Sancho auf dem Grundstück bzw. in der Nähe des Grundstücks. Er hält sich stets in einem Radius von ca. 200 m rund um das Haus auf. Dabei bezieht er die Nachbargrundstücke in seinen Ruhephasen mit ein. Die Nachbarn stört das erfreulicherweise nicht, zumal er dort keine unerfreulichen Spuren hinterläßt. Ich habe prophylaktisch mit den Nachbarn gesprochen, falls er doch einmal etwas Unangenehmes verursacht. Dann würde ich mich um die Beseitigung kümmern, wenn ich informiert werde. Überhaupt unternehme ich alles, um bei den Nachbarn um Verständnis und Toleranz für unsere Situation zu werben. Wir sind mittlerweile in unserer unmittelbaren Umgebung so bekannt, daß wir wohl meist gern gesehen werden. Dazu trägt Sancho mit seinem Aussehen und seiner Art erheblich bei!

Somit ist die Gefahr einer Situation, in der der Gedanke aufkommen würde, Sancho wegzugeben, Gottseidank gebannt. Er bleibt brav bei mir, hat zwar seinen eigenen Willen und unternimmt besonders vormittags seine Streifzüge, aber mich haben noch nie Beschwerden über sein Verhalten in diesen Abwesenheitsphasen erreicht. Stets schwingt bei mir jedoch die Angst mit, ihm könnte etwas zustoßen, zumal er dem Straßenverkehr erstaunlicherweise nicht sehr vorsichtig begegnet. Autos sieht er nicht als Bedrohung und geht recht sorglos mit ihnen um. Das macht mir Sorgen. Ich muß mit dem Risiko leben, daß er sich verletzen kann. Die Alternative wäre eine wirkliche Quälerei, wenn ich ihn ins Haus zwingen würde (siehe Erfahrungsbericht I). Außerdem wäre das technisch garnicht realisierbar, er ließe sich nicht einfangen.

Die Tatsache, daß er bei mir und dem Haus bleibt, hat mich wirklich sehr erfreut. Mir wurde damit eine Riesenlast von den Schultern genommen. Nicht auszudenken, wenn sich das anders entwickelt hätte! Zeigt es doch, daß er eine wirkliche Beziehung zu seiner neuen Umgebung entwickelt hat, vielleicht wird er sie eines Tages auch als sein echtes Revier betrachten.

Das ist wohl noch nicht soweit, weil er anderen Hunden gegenüber, die unser Grundstück betreten, unkritisch gegenübersteht. Sie stören ihn nicht. Nur wenn diese "Gasthunde" an sein Fressen wollen, wird Sancho ungemütlich. Das läßt er unter keinen Umständen zu und hat auch nicht die geringste Mühe, sich durchzusetzen.

Die Sorgen des Halters

Auch bei mir als Halter hat sich natürlich vieles verändert. Ich stehe kritischen Situationen - egal, ob sie dauerhaft sind oder kurzfristig auftreten und wieder vorübergehen - heute wesentlich gelassener gegenüber als zu Anfang unserer "Beziehung". Das ist ja wohl auch normal so. Es gibt eben Dinge, die ich nicht verändern kann, auch wenn ich immer wieder dazu aufgefordert werde (von wohlmeinenden Mitmenschen). Ich habe mich nun einmal dazu entschlossen, Sancho nichts gegen seinen ausgeprägten Willen aufzuzwingen, weder mit sanfter noch mit roher Gewalt. Weil ich damit alles kaputtmachen würde, was ich mit ihm zusammen bisher aufgebaut habe.
Ich wurde zu Anfang unzählige Male aufgefordert, Geduld zu haben. Das praktiziere ich nun und zwar konsequent! Ich habe nämlich gelernt, was es in Zusammenhang mit meinem Hund Sancho bedeutet, Geduld nicht nur zu haben, sondern auch anzuwenden.

Auch die ständig präsenten Ängste um Sancho haben bei mir dazu geführt, daß ich gelernt habe, damit zu leben, ohne permanent in der Gefahr eines Herzinfarkts zu sein. Wenn er denn überfahren oder erschossen wird, weil er frei rumlaufen darf, dann ist das eben so! Das klingt brutal und herzlos, aber wie sollte ich das ernsthaft verhindern? Man kann nicht alles haben: einen Hund, der einem alles recht macht und dabei in einer völlig risikofreien Situation lebt. Das gesamte Leben ist ein einziger Kompromiß.

So geht es in diesem Erfahrungsbericht 2 weiter

Wählen Sie eine der u.a. Seiten aus:

Zusammenleben Wie wir zusammenleben
Ausgang Erlebnisse und Erfahrungen beim Ausgang
Psycho-Probleme Darstellung der weiter fortbestehenden psychologischen Probleme
Fazit II ToDo-Liste, Fazit II und Schlußbetrachtung nach 17 Monaten





Clicks-Zähler  Info
Nach oben rollen