Hund Sancho
Hund Sancho
Die Erfahrungen eines Problem-Hundes
nach seiner Übernahme aus dem Tierheim im Oktober 2004
Hund Sancho

ÜBER MITTELMEERHUNDE

Die Informationen und Meinungsäußerungen auf dieser Seite sind etwas brisant, weil heftig umstritten. Ich habe deshalb versucht, sie so vorsichtig wie möglich, dennoch so offen wie nötig, in jedem Fall aber (überwiegend) sachlich zu formulieren.
Es bleibt aber immer meine persönliche Meinung! U.a. ggfs. falsche Informationen korrigiere ich gern, meine Grundhaltung zu dieser Problematik werde ich aber nur bei äußerst überzeugenden Gegenargumenten ändern.

Wie ich im "Erfahrungsbericht I" unter Fazit Ia bereits angedeutet habe, läßt es sich über Tiertransporte aus dem Ausland nach Deutschland trefflich streiten. Bei diesem Thema sind offenbar viele Emotionen im Spiel. Dabei rede ich nicht vom Mitbringen einzelner Hunde durch Privatpersonen aus dem Urlaub im Mittelmeerraum, sondern um den organisierten Transfer einer jeweils größeren Anzahl von Hunden pro Transport durch "Organisationen".

Sancho stammt aus so einem Tiertransport, wie mir seitens des deutschen Tierheims berichtet wurde. Er war einer von 20 Hunden, die alle vor Sancho vermittelt werden konnten.

Diese Organisationen sind meist private Initiativen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, in den jeweiligen Ländern und Regionen die dort geborenen Tiere aus sog. Tötungs-Stationen" zu retten, sie anschließend einer tiermedizinischen Fürsorge zuzuführen, damit diese Hunde (und Katzen) dann nach Deutschland transportiert werden können. Die deutschen Tierheime vermitteln die Tiere dann an (überwiegend) private Tierhalter.

In den Tötungsstationen werden die Tiere, die dorthin in der Regel durch Einfangen kommen, eine gewisse zeitlang "aufbewahrt", bis sie entweder vom Eigentümer oder anderen Personen gegen Bezahlung (!) übernommen werden. Geschieht dies nicht, werden sie nach Ablauf dieser Aufbewahrungsfrist (ca. 21 Tage) getötet. In der Regel geschieht das mit Gift (Todesspritze). Mir wurde jedoch auch berichtet, daß man die Tiere qualvoll verdursten und verhungern läßt! Weitere Schilderungen dieser Art führe ich hier nicht weiter auf, weil sie noch grausamer sind (das Schicksal von Katzen soll noch bestialischer sein). Die Art, wie man die Tiere dort behandelt, ist eine Riesen-Sauerei und ein Skandal!!! Hauptsache, die dummen oberflächlichen menschlichen Bedürfnisse und Triebe werden befriedigt, gnadenlos und ohne Rücksicht auf Verluste. Und das alles wird von einer Spezies verbrochen, die sich in religiöser Verblendung selbst als "die Krone der Schöpfung" o.ä. bezeichnet und sich die Welt aus einer selbstherrlichen und eigensüchtigen Definition heraus "untertan machen" darf! Ohne das geringste Verantwortungsbewußtsein für Flora und Fauna unseres Planeten. Es ist einfach unglaublich.

Auf meinen Hinweis in meinem Erfahrungsbericht 1 (s.o.) bekam ich diese Erklärung mit den Tötungsstationen. "Wenn wir sie nicht nehmen, werden sie erbarmungslos getötet."

Angesichts dieser schonungs- und schnörkellosen Aussage ist man als Tierliebhaber natürlich erst einmal geschockt. Ich wußte jedenfalls vorher nicht, daß es so ist. Mir blieb in dem Moment auch die Sprache weg. Und ich empfand nachträglich fast so etwas wie Schuldgefühle, hatte ich mich doch ernsthaft mit dem Gedanken getragen (mehrmals, kurzfristig), Sancho wieder zurückzugeben (Die Begründung hierfür steht in den Erfahrungsberichten). Und ich habe mir fast Vorwürfe gemacht, daß ich es angesichts dieser knallharten Realität gewagt hatte, Kritik an dieser Vorgehensweise zu üben. Meine vielfältigen psychischen Probleme (siehe hierzu in den Erfahrungsberichten) mit der Sancho-Situation kamen mir natürlich erst einmal ganz klein vor. Was hatte ich mich angestellt!

Nach einer gewissen Zeit der Reife, in der ich diese schreckliche Information verinnerlicht habe, habe ich mir heute eine etwas differenziertere Einstellung zu dieser Thematik erarbeitet. Ich möchte daher auch nicht mehr kritisieren, sondern einen Vorschlag machen, wie man mit dem Problem der Mittelmeerhunde verfahren könnte.

VORSCHLAG

  • Die jetzige Praxis der Übernahme von Hunden aus den Tötungsstationen zwecks anschließendem Weitertransport nach Deutschland sollte erst einmal so beibehalten werden.
  • Parallel dazu sollten in den betroffenen Ländern Initiativen der deutschen Organisationen gestartet werden, um die dortigen "Gepflogenheiten" des Umgangs mit Hunden und Katzen zu verändern. Sofern das nicht bereits geschieht. In diesem Fall sollten diese Bemühungen verstärkt werden.
  • Langfristig, sofern die Bemühungen gem. dem vorherigen Absatz erfolgreich sind, sollten die Tiertransporte nach Deutschland analog verringert werden. Optimal wäre es, sie ganz einzustellen.

Offene Fragen

Abschließend möchte ich einige grundsätzliche Überlegungen zum Thema aufführen.

Ich erkenne die Arbeit der im Ausland tätigen Tierschutzorganisationen zur Rettung der heimischen Tiere ausdrücklich an. Ihre Motivation ist hochwertig und gut. Ihr Engagement ist vorbildlich und hat meinen vollen Respekt.

Eventuell vorhandene mißbräuchliche Erscheinungsformen in diesen Organisationen, die darauf hinauslaufen, den guten Zweck zur Erzielung wirtschaftlicher Vorteile durch die berühmt/berüchtigten "Schwarzen Schafe" zu pervertieren, sollten unbedingt und mit aller Kraft ausgemerzt werden! Gerüchte in dieser Richtung reichen bereits aus, um bei den tierliebenden Bürgern eine starke Aversion dagegen zu erzeugen. Ich weiß, wovon ich rede, denn auch ich hatte Gedanken in diese Richtung! Und das hat bei mir einen ziemlichen Zorn heraufbeschworen. Die Tierliebe von verantwortungsbewußten Menschen auszunutzen, um damit "Reibach" zu machen, ist auf diesem Gebiet das Schlimmste, was man sich vorstellen kann! Darunter haben die wohlmeinenden Verbände zu leiden, die es wirklich ehrlich meinen und integer sind. Am allermeisten leiden natürlich die Tiere darunter!

Wir können leider nicht alle geschundenen und gequälten Tiere dieser Welt retten! So bitter und schmerzhaft diese Erkenntnis ist, es ist die Realität. Dieses Ziel wird vielleicht in einigen hundert Jahren erreicht werden können, ich fürchte aber, solange es Menschen gibt, die dumm, gewinnsüchtig, egoistisch, verblendet, fundamentalistisch, hochmütig und schwach sind, und sich als die "Krone der Schöpfung" einstufen, wird es Tierquälerei auch geben. Und das wird wohl stets der Fall sein. Aus diesem Grund sollten wir dafür sorgen, daß die Tiere in unserem Einwirkungsbereich (=Deutschland) anständig behandelt werden, denn auch da ist noch ein sehr großer Handlungsbedarf! Um die Tiere im Ausland tut es mir sehr, sehr leid, aber sie führen dann eben dort ein kurzes, möglicherweise aber glücklicheres Leben (bis zu ihrem grausamen Ende) als bei einer Verbringung nach Deutschland.

Ausblick

Mir ist insbesondere bei dem letzten Absatz absolut nicht wohl in meiner Haut, aber ich muß damit leben.

Sancho
"Möge die Menschheit eines Tages weiser, intelligenter und
weniger erbarmungslos sein, als sie es heute ist".





Clicks-Zähler  Info
Nach oben rollen