Hund Sancho
Hund Sancho
Die Erfahrungen eines Problem-Hundes
nach seiner Übernahme aus dem Tierheim im Oktober 2004
Hund Sancho

ERFAHRUNGS-SCHLUSSBERICHT

Sancho

Am 28. Oktober 2007 war Sancho genau 3 Jahre bei mir. Dieser Bericht wurde Anfang Dezember 2007 erstellt und stellt den Abschluß der 3-jährigen Berichtsphase über einen "Problemhund" dar. Er ist nicht mehr so streng gegliedert wie die Berichte I und II, sondern faßt auf einer Seite den wesentlichen Entwicklungsstand meines Hundes Sancho nach 3 Jahren zusammen.

Die Entwicklung von Sancho ist nach wie vor noch nicht abgeschlossen. Die aufgezeigten positiven Effekte werden sich weiter vertiefen und verstärken. Eine wesentlich neue Entwicklung oder Veränderung erwarte ich aber nicht mehr.

I. Zusammenleben

Auf diesem Gebiet hat sich im Vergleich zum Bericht II vom 31.03.2006 nichts wesentliches mehr geändert. Sancho "wohnt" nach wie vor in seinem Zelt, in das er sich bei beginnender Dunkelheit begibt und dort schläft oder in dem er sich bei schlechtem Wetter aufhält.

Tagsüber, außerhalb der Ausgangszeiten, "treibt" er sich in einem Radius von ca. 200m um unser Haus herum, dabei hält er sich oft an mir bekannten Plätzen auf den umliegenden Grundstücken auf. Die Nachbarn tolerieren das dankenswerterweise, zumal er dort auch keinen Schaden anrichtet oder unangenehme Hinterlassenschaften erzeugt. Stets ist es sein Bestreben, unser Haus und mich im Auge behalten zu können.

Leider liegt er nach wie vor auch noch auf der Straße, so daß sich das in den Vor-Berichten beschriebene Verkehrsproblem nicht gelöst hat. Daran wird sich auch nichts mehr ändern, es ist aber wesentlich weniger geworden. Trotzdem werde ich natürlich noch oft darauf angesprochen: "Das ist doch der Hund, der immer auf der Straße liegt?!". Meine Mitmenschen sehen ihn natürlich immer nur dort, wenn sie durchfahren wollen (2 - 3x/Tag), sie sehen ihn aber nie, wenn er nicht dort liegt, naja...

Sancho hat ein sehr gutes Timing, da ich eine ziemlich feste Tagesstruktur einhalte. Er ist immer genau zur richtigen Zeit da, wenn es für ihn wichtig und interesssant ist; das sind im wesentlichen die Startzeiten für die Ausgänge. Zwischendurch kann es durchaus passieren, daß ich ihn nicht finde, wenn ich mal nach ihm sehen will, dann ist er auf "Patrouille".

II. Ausgang

Sancho

Unsere gemeinsamen Ausgänge 2x pro Tag, insgesamt ca. 2 Stunden (manchmal etwas mehr), gestalten sich völlig problemlos und entspannt. Sancho freut sich jedesmal riesig, wenn´s losgeht. Er läuft dann zunächst voraus, später dann hinterher, weil er einfach "zu viel zu tun hat". Er hört jetzt ziemlich gut auf mich, wir haben einige wichtige Kommandos "einstudiert", auf die Pfeife (eine ganz normale Trillerpfeife) reagiert er sehr gut.

Wenn er vorausläuft, wartet er an jeder Kreuzung auf mich. Sobald ich den 1. Schritt in die neue Richtung mache, "stürmt" er davon. Wenn er zu langsam ist, verstecke ich mich schon mal, aber er findet mich natürlich immer.

Katzen und Kindern geht er in großem Bogen aus dem Weg, die sind ihm zu schnell, zu quirlig und somit zu unübersichtlich und unheimlich. Mit Erwachsenen hat er mittlerweile kein Problem mehr. Anderen Hunden begegnet er unvoreingenommen und neugierig, im Zweifelsfall geht er ihnen aus dem Weg.

III. Psychische Probleme

Die in den beiden Vor-Berichten I und II beschriebenen psychischen Probleme von Sancho sind nach wie vor vorhanden, jedoch in sehr abgeschwächter Form. Wie erwartet, werden sie auch nicht gänzlich zu beseitigen sein. Sancho ist nun einmal in der entscheidenden Phase seines Lebens nicht auf Menschen geprägt worden und das wird man immer merken. Mit sehr sehr viel Geduld, Einfühlungsvermögen und - sagen wir es ruhig - Liebe ist es mir aber offensichtlich gelungen, sein Vertrauen in mich soweit aufzubauen, daß wir heute eigentlich recht entspannt miteinander umgehen können. Das ist mir nur gelungen, weil ich mich ziemlich früh dazu entschieden hatte, auf Zwangsmaßnahmen jeglicher Art oder gar Gewalt rigoros und konsequent zu verzichten! Auf die Art hat er sich ziemlich erfolgreich mir gegenüber durchgesetzt, aber damit kann ich gut leben! Ich habe viel Freude an ihm, überwiegend natürlich bei unseren Ausgängen.

Sancho

Letzten Endes bin ich sehr froh, daß ich Sancho habe. Er ist ein erwachsener, reifer und erfahrener Hund mit Ecken und Kanten, eine kleine Hunde-Persönlichkeit mit eigenem "Dickkopp" und ein wirklich lieber Kerl.

Ob er aber einen Nachfolger haben wird, der eine ähnliche Problematik wie Sancho mitbringt, kann ich auch aus heutiger Sicht immer noch nicht sagen. Ich zögere da noch, weil es im ersten Jahr wirklich sehr anstrengend war. Ich muß abwarten, bis die Situation da ist. Ich hoffe dann, auf der Basis meiner bis dahin gesammelten Erfahrungen eine qualifizierte Entscheidung treffen zu können.

Das allerletzte Fazit

Zuallerletzt möchte ich das letzte Fazit ziehen, quasi ein "Fazit aus dem Fazit":

Wer einen Problemhund wie Sancho holen möchte, der muß sehr10 viel Geduld mitbringen. Außerdem braucht er Verständnis für die Nöte des Tieres, muß nachsichtig sein angesichts vieler anfänglicher Mißerfolge und darf sich nicht entmutigen lassen. Das alles kostet viel Kraft. Daher ist so ein Hund nur etwas für Menschen, die wirklich nachhaltig bereit sind, all das in das Tier zu investieren.

Wer den schnellen Erfolg sucht, ein Kuscheltier haben möchte, das ihm alles recht macht, ausschließlich wünschenswerte Verhaltensweisen erwartet - der sollte von einem Hund wie Sancho unbedingt die Finger lassen! Es wird für alle Beteiligten in einer Katastrophe enden!

Sancho
Ich glaub', ich hab's geschafft!
Auf Wiedersehen, macht´s gut!





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